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Christian Spöcker
Christian Spöcker (Foto: SWR3, privat)
Isabel Gebhardt
Isabel Gebhardt (Foto: SWR3)

Russland hat zugelassen, dass mehr als 260 Soldaten aus dem Stahlwerk dürfen. Busse haben sie abtransportiert. Aber frei sind sie damit noch nicht.

Mehr als 260 ukrainische Soldaten konnten am späten Abend das belagerte Asow-Stahlwerk in der Hafenstadt Mariupol verlassen. 53 von ihnen seien schwer verletzt, hat das ukrainische Militär auf Facebook dazu mitgeteilt.

Im Bus sitzen ukrainische Streitkräfte aus dem belagerten Stahlwerk Asowstal. (Foto: Reuters, ALEXANDER ERMOCHENKO)
ALEXANDER ERMOCHENKO

Die ganze Stadt Mariupol steht bis auf das umzingelte Stahlwerk unter der Kontrolle russischer Truppen. Die Lebensbedingungen dort waren zuletzt unvorstellbar hart, wie Bilder vom zweiten Mai-Wochenende zeigen.

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Weggebracht, aber gefangen genommen

Busse haben jetzt also einen Teil der Verletzten weggebracht. Die 53 Schwerverletzten seien zur Behandlung in die Stadt Nowoasowsk gebracht worden und die 211 anderen Soldaten nach Oleniwka, erklärte das ukrainische Verteidigungsministerium am Abend.

In einem Bus liegen ukrainische Streitkräfte auf übereinandergebauten Betten. (Foto: Reuters, ALEXANDER ERMOCHENKO)
ALEXANDER ERMOCHENKO

Die beiden Städte befinden sich unter russischer Kontrolle. Einfach gehen können die Soldaten also nicht, nachdem Russland sie medizinisch versorgt haben wird. Die Ukraine teilt mit, dass die Menschen jetzt als Gefangene gelten.

Schon mehrere Austausch-Aktionen mit Gefangenen

Es sei geplant, dass Russland sie freilässt, wenn auch die Ukraine ihrerseits das mit gefangen genommenen Russen mache. Seit Beginn des russischen Angriffskriegs in der Ukraine Ende Februar haben beide Seiten schon mehrmals Gefangene ausgetauscht.

Ein Angehöriger ukrainischer Streitkräfte liegt auf einer Trage zwischen zwei Bussen. (Foto: Reuters, ALEXANDER ERMOCHENKO)
ALEXANDER ERMOCHENKO

Russland muss die Ukrainer menschenwürdig behandeln

Kämpfer aus dem Stahlwerk Asowstal in Mariupol werden nach Aussagen des russischen Präsidialamts nach internationalen Standards behandelt. Sie haben zum Beispiel einen Anspruch darauf, dass russische Soldaten sie menschenwürdig behandeln. Schon Beleidigungen oder Einschüchterung sind verboten, berichtet das Deutsche Rote Kreuz und beruft sich auf das sogenannte Genfer Abkommen. Russlands Präsident Wladimir Putin habe dies zugesichert, sagt der Sprecher Dmitri Peskow. Wer gegen die darin enthaltenen Regeln verstößt, begeht unter Umständen Kriegsverbrechen.

Russischer Unterhändler fordert Todesstrafe

Ein russischer Abgeordneter fordert allerdings für die Soldaten die Todesstrafe. Er sagte, Kämpfer des Asow-Regiments hätten kein Recht auf Leben. Russland sollten für diese nationalistischen Kämpfer die Todesstrafe in Erwägung ziehen, so Leonid Slutski, der für Russland mit der Ukraine verhandelt. „Sie verdienen es nicht zu leben angesichts der monströsen Menschenrechtsverbrechen, die sie begangen haben und die sie weiterhin an unseren Gefangenen begehen.“

Blick auf das Azovstal-Werk in der Hafenstadt Mariupol. (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture alliance/dpa/XinHua | Victor)
Das umzingelte Stahlwerk in Mariupol, aus dem jetzt mehr als 250 Ukrainer gebracht wurden picture alliance/dpa/XinHua | Victor

Die Ukraine verhandelt unterdessen nach eigenen Angaben weiter mit Russland darüber, dass noch mehr Ukrainer das Stahlwerk verlassen dürfen.

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Radionachrichten 15. August, 18:00 Uhr - SWR3 Nachrichten

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