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Stefan Scheurer
Stefan Scheurer (Foto: SWR3)

Sexverbot wegen Fleischkonsum: Die Tierschutzorganisation PETA fordert, dass fleischessende Männer keinen Sex mehr haben und ihre Frauen in den Sex-Streik sollen – um das Klima zu retten. Haben sie Recht? Faktencheck!

Fleisch oder Sex! PETA fordert, dass sich Männer entscheiden sollen. Die Tierschutzorganisation ist wegen ihrer teilweise extremen Aktionen umstritten. Auch ihre jetzige Forderung baut im Wesentlichen nicht auf Fakten auf.

Was will PETA genau?

Weil einer zweifelhaften Studie zufolge Männer durch ihren Fleischkonsum etwa 40 Prozent mehr CO2 ausstoßen als Frauen, wäre es besser, wenn Männer keine Kinder mehr zeugen würden – und so CO2 sparen. Die Organisation begründet die Forderung mit einem „toxischen“ und „konservativen“ Männerbild. Dass in derselben Studie der größte CO2-Nahrungsmittelanteil der Frauen ebenfalls Fleisch ist, lässt PETA unerwähnt.

Ein Sex- oder Fortpflanzungsverbot für alle fleischessenden Männer wäre in diesem Kontext zielführend. Schließlich spart jedes nicht geborene Kind 58,6 Tonnen CO2-Äquivalente pro Jahr ein.

PETA zitiert fragwürdige Studie

Die von PETA ins Feld geführte Studie aus dem letzten Jahr ist mindestens sehr fragwürdig, denn die befragte Gruppe ist im großen Stil nicht repräsentativ:

Für die Erhebung dieser Daten wurden lediglich 212 Menschen aus Großbritannien befragt. Es gab im vorliegenden Fall nicht einmal eine gleichmäßige Verteilung der Geschlechter (127 Frauen zu 85 Männern), obwohl es um geschlechterspezifische Unterschiede geht. Fast alle waren Fleischesser (185 Befragte). Da wundert es nicht, dass alle angeführten Zahlen für Fleischkonsum so groß sind.

Grafik zum Fleischkonsum nach Geschlechtern (Foto: Studie Variations in greenhouse gas emissions of individual diets: Associations between the greenhouse gas emissions and nutrient intake in the United Kingdom)
Die Studie hat einige Schwächen: An der Grafik erkennt man gut, dass Männer schlicht eine höhere Nahrungsaufnahme haben, denn sie haben von Natur aus im Schnitt erheblich mehr Körpergewicht als Frauen, etwa 70 (w) zu 85 Kilo (m). Rechnet man diesen biologischen Unterschied heraus, essen Männer prozentual nur geringfügig mehr Fleisch als Frauen. Die Grafik ist im Original umfangreicher. Sie stammt aus der von PETA zitierten Studie, die wir verlinkt haben. Studie Variations in greenhouse gas emissions of individual diets: Associations between the greenhouse gas emissions and nutrient intake in the United Kingdom

Schon allein die Anzahl der Befragten ist zu gering, um zu einem wissenschaftlich korrekten Ergebnis zu kommen, ganz gleich wie es um die Methodik der Erhebnung steht. Meinungsforscher sprechen in der Regel von mindestens 500 bis 1.000 Befragten, die auch noch nach anderen gesellschaftlichen Kriterien ausgesucht werden sollten (Alter, Herkunft, Bildung, Berufstätigkeit usw). Auch in diesen Punkten ist die Auswahl der Befragten nicht repräsentativ: Die Hälfte der Befragten war übergewichtig, in Europa haben laut WHO aber viel mehr, fast 60% Übergewicht.

Verursachen Männer mehr CO2 als Frauen?

Ja, das ist bereits bekannt, allerdings hat es mit verschiedenen Faktoren zu tun, von der Körpermasse bis hin zur Mobilität. Seriös betrachtet müsste man alle Faktoren bei einer Aussage berücksichtigen, die behauptet, Männer verursachten mehr CO2. PETA konzentriert sich nur auf das Fleisch.

Ist Fleisch schlecht fürs Klima?

Die Fleischherstellung erzeugt viel CO2. Ein Beispiel: Ein Kilogramm Rindfleisch verursacht 14 Kilogramm CO2. Das entspricht etwa einer 100 Kilometer langen Autofahrt. Geflügelfleisch liegt bei 3,5 Kilogramm CO2, also deutlich weniger.

Baden-Baden

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Aber nicht nur Fleisch schlägt auf die Klimabilanz, zu den tierischen Produkten gehört beispielsweise auch Butter: Ein Kilogramm davon verursacht 24 Kilogramm CO2. Ein Kilogramm Käse etwa 8 Kilogramm CO2. Das ergibt sich unter anderem aus der Verarbeitung und der Kühlung, die sich bei den verschiedenen Lebensmitteln unterscheiden.

Die Tatsache, dass ein Lebensmittel Fleisch ist, bedeutet übrigens nicht, dass es grundsätzlich schlechter für das Klima ist. Auch hier nur das Beispiel Transport:

Faktencheck: Ist Fleischessen eine Klimasünde? (Foto: SWR3)

Vegetarisch ist nicht notwendigerweise besser, als Fleisch zu konsumieren. Es hängt davon ab, wo die Dinge produziert werden.

PETA: Sexverbot ist Marketing

PETA liest aus einer unrepräsentativen Studie nur, was sie möchte. Sachlich gesehen ist die PETA-Forderung daher weder haltbar noch begründbar – aber ein Sexverbot zu fordern, verkauft sich gut. Und genau dieses Ziel ist in Bezug auf die deutschen Medien aufgegangen – denn kaum wer hinterfragt die PETA-Argumentation. Allein die Nachfrage bei Google seit der Veröffentlichung ist explodiert. PETA hat gutes Marketing für sich selbst gemacht, und weniger fürs Klima:

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