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Katrin Stöver-Böhm
Katrin Stöver-Böhm (Foto: Max Orlich)

Steigende Öl-, Gas- und Weizenpreise? Eine neue Flüchtlingswelle? Welche Folgen hat der Angriff auf die Ukraine – auch für Deutschland?

Russland hat mit militärischen Angriffen auf die gesamte Ukraine begonnen. Der Konflikt geht damit in eine neue Phase: Es geht nicht mehr nur um die Abspaltung von selbstständigen Regionen in der Ostukraine, sondern es ist ein Angriff auf die Souveränität der Ukraine.

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Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat bereits andere Staaten um Hilfe gebeten. Er forderte internationale Unterstützung beim Schutz des ukrainischen Luftraums. So könnten auch andere Länder weiter in den Konflikt einbezogen werden.

Aus Angst vor einem Krieg, verlassen viele Ukrainer ihr Land. Auf Twitter berichten Augenzeugen von langen Schlangen vor Tankstellen und von Staus auf den Straßen.

Escape from Kyiv, Ukraine https://t.co/2VrhR4Gwux

EU droht eine Flüchtlingswelle

Seit Beginn des russischen Angriffskriegs vor knapp drei Wochen sind mehr als drei Millionen Menschen aus der Ukraine geflohen. Das sagte der Sprecher der Internationalen Organisation für Migration, Paul Dillon. Fast die Hälfte der Ukraine-Flüchtlinge sind demnach Kinder. 157.000 der Flüchtlinge seien Drittstaatsangehörige.

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1,7 Millionen der Menschen flohen laut dem UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR nach Polen. In Rumänien befinden sich laut UNHCR mehr als 450.000 Ukraine-Flüchtlinge. 350.000 weitere befinden sich in der Republik Moldau, 265.000 in Ungarn und fast 215.000 in der Slowakei. Ein Teil der Menschen suchte laut UNHCR auch Zuflucht in Russland: Dorthin flohen demnach 140.000 Ukrainer, 1.200 weitere reisten nach Belarus aus.

Wirtschaftssanktionen gegen Russland

Die EU hat sich am Mittwoch auf weitreichende Sanktionen gegen Russland geeinigt. Einzelne davon sind bereits umgesetzt. Zum Beispiel das Handelsverbot mit russischen Staatsanleihen. Nach dem Angriff Russlands könnten jetzt weitere Sanktionen in Kraft treten. Außenministerin Annalena Baerbock kündigte am Donnerstagmorgen an: „Wir werden das volle Paket mit massivsten Sanktionen gegen Russland auf den Weg bringen.

Über weitere Sanktionen informieren wir auch in unserem Ukraine-Live-Ticker:

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Ostseepipeline Nord Stream 2 auf Eis gelegt

Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) hat am Dienstagvormittag entschieden, die Inbetriebnahme der Gaspipeline Nord-Stream 2 auf Eis zu legen. Scholz sagte, er habe das Bundeswirtschaftsministerium gebeten, die nötigen Schritte einzuleiten. Scholz und Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) schließen nicht mehr aus, dass die Pipeline gar nicht mehr in Betrieb geht.

Die rund 1.200 Kilometer lange Pipeline soll in größerem Umfang als bisher russisches Erdgas nach Deutschland und andere europäische Länder bringen. Das Projekt ist hoch umstritten. Nach der Anerkennung der ostukrainischen Separatistengebiete durch Russland hatte auch der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj das Aus von Nord Stream 2 gefordert. Die Sanktionen der Europäischen Union müssten auch den vollständigen Stopp der Gaspipeline vorsehen, sagte Selenskyj.

Die Industrie und Handelskammern in Rheinland-Pfalz befürchten, dass sich der zuspitzende Konflikt auch auf das Russlandgeschäft heimischer Unternehmen auswirken könnte. Mehr dazu im Video.

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Gas- und Ölpreise steigen

In Deutschland hatte dieses Szenario Sorgen geweckt. Denn viele fragen sich, ob die Gasversorgung dann gefährdet sein könnte. „Ja, das könnten wir merken wirtschaftlich. Das könnte man auch merken, dass Gaspreise steigen“, erklärte FDP-Verteidigungsexpertin Marie-Agnes Strack-Zimmermann. Am Morgen nach dem russischen Angriff schnellte der Gaspreis direkt um 30 Prozent nach oben, schreibt das Wirtschaftsmagazin Unternehmen heute.

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Auch Italien vorsichtig bei Sanktionen

Italien sei besonders an einer friedlichen Lösung des Konflikts interessiert, schreibt die italienische Zeitung La Repubblica. „40 Prozent aller Gaseinfuhren Europas stammen aus Russland. Innerhalb dieser 40 Prozent ist Italien der führende Importeur, gefolgt von Deutschland.“ Ein Krieg zwischen Moskau und Kiew würde die Kosten weiter erhöhen, heißt es in der Zeitung weiter. Die Abhängigkeit Deutschlands und Italiens von russischem Gas gefährde diese beiden Länder daher mehr als alle europäischen Verbündeten.

Von der Leyen: EU kann Unterbrechung von Gasimporten vertragen

Laut EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen sei die EU aber durchaus in der Lage, eine teilweise Unterbrechung der Gasimporte aus Russland zu verkraften. „Unsere Modelle zeigen, dass wir bei einer teilweisen Unterbrechung oder einem weiteren Rückgang der Gaslieferungen durch Gazprom auf der sicheren Seite sind“, sagte von der Leyen vergangene Woche in Straßburg. Ein vollständiger Stopp würde aber immer noch zusätzliche Maßnahmen erfordern. Die EU habe daher mit wichtigen LNG-Lieferanten über eine Erhöhung der Gas- und Flüssiggaslieferungen (LNG) gesprochen.

Preise für Nudeln und Brot könnten steigen

Bereits vor dem Beginn des Ukraine-Krieges ließ die Angst vor einer militärischen Auseinandersetzung den Preis für Weizen an der Börse nach oben gehen. So stieg der Preis für eine Tonne zeitweise um knapp zwei Prozent auf 273,75 Euro. Warum? „Russland und die Ukraine gehören zu den drei wichtigsten Weizenexporteuren“, erklärte Commerzbank-Analyst Carsten Fritsch. Zusammen stellten die beiden Länder mehr als ein Viertel des weltweiten Exportangebots.

Speise-Öl könnte kurzfristig knapp werden

Bei Speiseölen werde derzeit eine hohe Nachfrage verzeichnet, erklärte das Unternehmen METRO gegenüber dem Spiegel. In einzelnen Märkten könne es deshalb „kurzfristig und vereinzelt zu einer eingeschränkten Verfügbarkeit“ kommen.

Laut dem Verband der ölsaatenverarbeitenden Industrie in Deutschland (OVID) deckt Deutschland 94 Prozent seines Bedarfs an Sonnenblumenöl aus Exporten. Die weltweit wichtigsten Exporteure sind demnach Russland und die Ukraine: 2020 wurden global 13,6 Millionen Tonnen Sonnenblumenöl exportiert, davon stammten 51 Prozent aus der Ukraine und weitere 27 Prozent aus Russland.

Auch Lein- und Rapsöl könnten demnach von dem Konflikt betroffen sein: Laut OVID werden knapp 90 Prozent der in der EU verarbeiteten Leinsaaten importiert. Von diesen Importen stammen 37 Prozent aus Russland, weitere fünf Prozent aus der Ukraine. Deutschland bezieht zudem zehn Prozent der verarbeiteten Rapssaaten aus der Ukraine.

Folgen für Deutschland und die Welt

Was kann der Westen jetzt gegen Putin ausrichten? Tatsächlich gibt es eine Maßnahme, die Putin sehr empfindlich treffen kann. Die da oben von funk erzählen euch, was jetzt passieren soll:

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Radionachrichten 15. August, 17:00 Uhr - SWR3 Nachrichten

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