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Ökonomen hatten bei der Inflation mit einem Anstieg auf 6,3 Prozent gerechnet – jetzt sind es doch 7,3 Prozent geworden. Womit müssen wir noch rechnen?

Eigentlich braucht es gar keine Statistik – beim Einkaufen und Tanken ist es leicht zu merken: Das Leben ist in letzter Zeit deutlich teurer geworden.

Jetzt hat das Statistische Bundesamt dieses Gefühl belegt: Die Inflationsrate in Deutschland ist im März auf einen Rekord gestiegen. Die Verbraucherpreise lagen um 7,3 Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats. Das ist die höchste Inflation seit 1981, also seit mehr als 40 Jahren.

Preise in BW und RLP um über sechs Prozent gestiegen

Deutschlandweit gibt es bei der Höhe der Inflationsrate Unterschiede. So sind in Baden-Württemberg die Preise im März verglichen mit dem Vorjahr um 6,3 Prozent gestiegen, das teilte das Statistische Landesamt mit. In Rheinland-Pfalz verteuerten sich Waren und Dienstleistungen sogar um 6,6 Prozent, laut Statistischem Landesamt ist das der höchste Wert, der hier je erfasst wurde.

Gas und Benzin teurer – auch wegen Krieg in der Ukraine

An der Spitze der gestiegenen Verbraucherpreise stehen Gas und Sprit mit einer Preissteigerung von fast 40 Prozent. Einer der Hauptgründe dafür ist der Ukraine-Krieg. Seit dem Angriff Russlands auf die Ukraine sind die Preise für Erdgas und Mineralölprodukte nochmals gestiegen und beeinflussen die Inflationsrate erheblich.

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Aber auch auch die deutsche CO2-Abgabe lässt die Energiepreise steigen: Seit Jahresbeginn werden 30 Euro je Tonne Kohlendioxid fällig, das beim Verbrennen von Diesel, Benzin, Heizöl und Erdgas entsteht.

Inflationsrate und Verbraucherpreise bei Lebensmitteln

Lebensmittel wurden in Deutschland im März um rund sechs Prozent teurer, das zeigen die Berechnungen des Statistischen Bundesamtes. Dabei wird es aber wohl nicht bleiben. Mehrere große marktführende Lebensmittel-Produzenten wie zum Beispiel Nestlé, Unilever oder Danone haben wegen der hohen Rohstoffpreise und der anhaltenden hohen Inflationsrate bereits Preissteigerungen angekündigt.

Einer aktuellen Umfrage des Ifo-Instituts zufolge planen immer mehr Firmen Preiserhöhungen in den nächsten drei Monaten.

Was tut der Staat, um Verbraucher zu entlasten?

Die Bundesregierung will die Menschen wegen der stark gestiegenen Energie- und Spritpreise entlasten. So plant sie eine auf drei Monate befristete Senkung der Energiesteuer, die den Liter Benzin um 30 Cent und Diesel um 14 Cent günstiger machen soll.

Zudem erhalten Arbeitnehmer einmalig 300 Euro Energiezuschuss auf ihr Bruttogehalt und Familien pro Kind 100 Euro Bonus auf den Kinderfreibetrag. Die Gesamtkosten für den Staat werden nach Schätzung des Bundesfinanzministeriums an die 16 Milliarden Euro heranreichen, die das erste Entlastungspaket aus dem Februar umfasste.

Wie reagiert die Europäische Zentralbank?

Die hohe Inflation in Deutschland – immerhin die größte Volkswirtschaft der Eurozone – lässt die Erwartungen an die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) steigen. Denn die strebt für den Euroraum insgesamt stabile Preise bei einer jährlichen Teuerungsrate von zwei Prozent an.

Die EZB hat angekündigt, im dritten Quartal ihre milliardenschweren Anleihenkäufe beenden, wenn es die Inflationsaussichten erlauben. Das Abschalten dieses Programms gilt als Vorstufe einer Zinserhöhung, die laut EZB „einige Zeit“ nach dem Ende der Anleihen-Zukäufe vollzogen werden soll.

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Radionachrichten 15. August, 18:00 Uhr - SWR3 Nachrichten

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