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Bei den erschreckenden Bildern vom Hochwasser drängt sich die Frage förmlich auf: Ist das jetzt schon der Klimawandel? Ein Klimaforscher gibt Antwort.

Wassermassen, die alles mit sich reißen, zerstörte Häuser, Autos, die einfach weggespült werden – was wir gerade insbesondere in Rheinland-Pfalz und in Nordrhein-Westalen, aber auch in Baden-Württemberg sehen, ist dramatisch. Fast alle sind sich einig: Solch ein Hochwasser ist für den Monat Juli sehr ungewöhnlich.

In unserem Hochwasser-Live-Ticker kannst du dich über die aktuelle Lage erkundigen:

Klimaforscher Stefan Rahmstorf: Zusammenhang zwischen Hochwasser und Klimawandel

Stefan Rahmstorf ist ein renommierter Klimaforscher und befasst sich mit der globalen Erwärmung und ihren Folgen. Er erklärt, dass das heutige Wettergeschehen eine Mischung aus den üblichen Wetterzufällen und den veränderten Rahmenbedingungen durch den Klimawandel ist. Dann müsse man aber im Detail analysieren, welchen Anteil jeweils der eine oder der andere Beitrag hat.

Hier gibt es das Interview mit Stefan Rahmstorf:

Stefan Rahmstorf (Foto: SWR, SWR Wissen)

Interview mit Klimaforscher Haben die Unwetter etwas mit dem Klimawandel zu tun?

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Bei Hitze ist der Zusammenhang klar

Laut Rahmstorf ist die Sachlage bei Hitzeextremen, wie beispielsweise im Westen Kanadas klar. Dort hatte die Kleinstadt Lytton erst absolute Rekordtemperaturen von knapp 50 Grad gemessen und war dann durch Waldbrände fast komplett zerstört worden. Rahmstorf sagt: „Da ist es so krass, da kann man hundertprozentig sagen, ohne Klimawandel hätte das nicht passieren können.

Bei Niederschlagextremen sei es nicht so eindeutig, sagt Rahmstorf. Aber man beobachte in langfristigen Datenauswertungen, dass Extremniederschläge weltweit zunehmen. Dafür gibt es einfache physikalische Gründe.

Temperaturanstieg führt dazu, dass die Luft mehr Wasser aufnehmen kann

Rahmstorf erklärt: Wenn das Wettergeschehen sonst gleichbleiben würde, führe jedes Grad Erwärmung dazu, dass die Luft sieben Prozent mehr Wasser aufnehmen könne. „Und daher würde bei einem solchen Starkregen dann eben sieben Prozent mehr Wasser auch unterkommen können. Das ist der Hauptgrund dafür, dass diese Extremregen zunehmen.

Der Jetstream ist langsamer geworden

Hinzu kommt laut Rahmstorf, dass sich die Dynamik in der Athmosphäre verändert habe. Hier geht es insbesondere um den Jetstream. Aktuelle Studien zeigten auf, dass sich die Zirkulation des Jetsstreams in den mittleren Breiten der Nordhalbkugel im Sommer verlangsamt habe. „Der Jetstream hat sich verlangsamt, und dadurch bleiben bestimmte Wettersysteme tendenziell länger über uns.“ Anders gesagt: Hochs und Tiefs wechseln weniger.

Veränderung des Jetstreams hängt mit Schmelzen der Polkappen zusammen

Dass der Jetstream langsamer geworden ist, hängt mit dem Temperaturanstieg in der Arktis zusammen. Die habe sich in den letzten Jahrzehnten dreimal so schnell erwärmt wie der Rest des Globus, sagt der Klimaforscher. Der Jetstream wiederum wird vom Temperaturgefälle zwischen den Tropen und der Arktis angetrieben. Wenn dort allerdings die Temperaturen steigen, geht das Temperaturgefälle zurück und der Antrieb des Jetstreams verringert sich, sagt Rahmstorf.

Diplom-Meteorologe Sven Plöger erklärt, wie der Jetstream funktioniert.

Warum durch den Klimawandel Starkregen und Dürre wahrscheinlicher wirdStarkregen und Hochwasser im Juli durch den Klimawandel? ARD-Meteorologe Sven Plöger erklärt, warum wir in Zukunft mit mehr Dürren und Starkregen rechnen müssen.Posted by SWR Wissen on Thursday, July 15, 2021

Instabiler Jetstream bringt mehr Wetterextreme

Was passiert aber wenn die Arktis sich weiter erwärmt und die Eisdecke noch mehr schmilzt? „Dann müssen wir damit rechnen, dass der Jetstream noch instabiler wird, noch mehr Wetterkapriolen dadurch verursacht werden“, so Rahmstorf. Wetterkapriolen bedeutet Hitzerekorde, extreme Niederschläge und Überflutungen.

Wir sollten mit diesem empfindlichen Klimasystem eben nicht spielen und nicht zu stark an den wesentlichen Klimaschrauben, wie dem CO2, drehen.

Rahmstorf hat eine klare Botschaft an Klimaskeptiker

Heißzeiten und Eiszeiten gab es schon immer, wieso sollte man sich also jetzt sorgen? Das ist ein beliebtes Argument von Klimaskeptikern. Rahmstorf forscht seit 30 Jahren an den Eiszeitzyklen. Gerade Wissenschaftler aus seiner Disziplin – die Paläoklimatologen – seien aber besonders besorgt wegen dem von Menschen verursachten Klimawandel. Man wisse, wie stark die Veränderungen in der Erdgeschichte gewesen seien, dass das Klima ziemlich heftig auf solche Dinge reagiere. Nach der letzten Eiszeit und einer Erwärmung von etwa fünf Grad stiegen die Meeresspiegel um 120 Meter, sagt Rahmstorf. Jetzt hätten wir noch genug Eis für 65 Meter weiteren Meeresspiegelanstieg. „Wir sollten mit diesem empfindlichen Klimasystem eben nicht spielen und nicht zu stark an den wesentlichen Klimaschrauben, wie dem CO2, drehen.

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SWR3 Nachrichten (Foto: SWR3)

Radionachrichten 25. Januar, 20:00 Uhr - SWR3 Nachrichten

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