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Jessica Schnellbach
Jessica Schnellbach (Foto: SWR3)

In Rheinland-Pfalz und in Baden-Württemberg kann man sich bereits für einen Impftermin registrieren. Wir sagen euch, wie das geht und was ihr über den Impfstoff wissen solltet.

Bis zum 20. März sollen 3,8 Millionen Novavax-Impfdosen in Deutschland verfügbar sein. Ab heute werden die ersten 1,4 Millionen Dosen ausgeliefert. Wann die ersten Impfungen starten, ist von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich. Bringt der neue Impfstoff nun die Impfwende und das Ende der Pandemie?

In Deutschland sind im Moment mehr als 75 Prozent der Gesamtbevölkerung vollständig geimpft, mindestens 56 Prozent haben eine Auffrischungsimpfung erhalten. Ein Teil der Bevölkerung traut den bisher verfügbaren mRNA- und Vektor-Corona-Impfstoffen nicht. Ein Grund, so sagen sie selbst, weil es „noch keine Langzeitstudien“ dazu geben soll.

Baden-Baden

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Die Zulassung des neuen Novavax-Impfstoffes könnte nun die Impfwende bringen und Unentschlossene überzeugen. Umgangssprachlich hat sich für den Novavax-Impfstoff die Bezeichnung als Totimpfstoff durchgesetzt, dem folgen wir hier. Wissenschaftlich korrekt ist das aber nicht.

Der Kampf gegen die vierte Corona-Welle (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture alliance / CHROMORANGE | Michael Bihlmayer)
Der Kampf gegen die vierte Corona-Welle picture alliance / CHROMORANGE | Michael Bihlmayer

Wann kommt Novavax nach Deutschland?

Bis zum 20. März sollen 3,8 Millionen Novavax-Impfdosen in Deutschland verfügbar sein. Die erste Lieferung ist für den 21. Februar geplant.

Die Zulassung eines weiteren #Corona-Impfstoffs durch die #EMA ist eine sehr gute Nachricht. Dadurch wird das Impfangebot sinnvoll ergänzt und Impflust angeregt. Es zeigen sich die Chancen der Forschung und Förderung. #Novavax

Gibt es schon Impftermine für Novavax?

In Rheinland-Pfalz können sich Menschen über das Impfportal des Landes für einen Impftermin mit dem Novavax-Impfstoff registrieren.

Ab der vierten Februarwoche soll Novavax auch in Baden-Württemberg verimpft werden. Das Ministerium rechnet zu Beginn mit der Lieferung von rund 500.000 Impfdosen verteilt über mehrere Wochen. Termine gibt es zum Beispiel in Stuttgart bei der Impfstation Königstraße oder im Landkreis Heidenheim.

Die Gesundheitsminister der Länder sprachen sich dafür aus, den Novavax-Impfstoff „bevorzugt“ an Beschäftige aus dem Gesundheitswesen anzubieten. Denn für diese Berufsgruppe gilt ab dem 15. März eine einrichtungsbezogene Impfpflicht. Menschen, die sich danach noch gegen eine Impfung entscheiden, droht eine Kündigung.

Novavax: Was wissen wir über den Impfstoff?

Im Gegensatz zu den bisher bekannten Corona-Impfstoffen von Biontech, Astrazeneca, Moderna oder Johnson und Johnson handelt es sich beim Novavax-Impfstoff weder um einen mRNA- noch um einen Vektorimpfstoff. Der Impfstoff enthält im Labor gezüchtete Partikel, die eine Version des Spike-Proteins von Sars-CoV-2 sind. Die Ständige Impfkommission (Stiko) spricht sich für eine Impfung mit Novavax für Menschen ab 18 Jahren aus.

Themenbild-novavax Tot Impfstoff.  (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture alliance / SvenSimon | Frank Hoermann/SVEN SIMON)

Medizin So funktioniert der Corona-Impfstoff von Novavax

Dauer

Wie unterscheiden sich Totimpfstoffe, Proteinimpfstoffe, mRNA-Impfstoffe und Vektorimpfstoffe?

Diese Corona-Impfstoffe arbeiten mit dem Spike-Protein:

  • mRNA-Impfstoffe wie von Biontech und Moderna liefern unserem Körper den Bauplan des Spike-Proteins. Unsere Zellen produzieren das Spike-Protein und unser Immunsystem reagiert auf dieses Spike-Protein, indem es Antikörper produziert.
  • Beim Vektorimpfstoff wird der Bauplan des Spike-Proteins in ein ungefährliches, abgestorbenes Virus eingebaut, das als Transportmittel dient.
  • Beim Novavax-Impfstoff wird das im Labor hergestellte Spike-Protein direkt verabreicht. Wissenschaftlich korrekt ist es daher, ihn als Proteinimpfstoff zu bezeichnen. Ähnlich funktionieren manche Grippeimpfungen.

Ein Totimpfstoff ist der Novavax-Impfstoff – wissenschaftlich gesehen – also nicht. Der Impfstoff von Valneva dagegen ist ein wirklicher Totimpfstoff. Auch für ihn wird derzeit eine Zulassung geprüft. Für Totimpfstoffe gilt: Sie enthalten für die Immunisierung abgetötete Bestandteile des Coronavirus. Ungefährlich sind sie, weil sich diese nicht mehr vermehren können. Und das Immunsystem kann dann an dem sozusagen toten Virus trainieren.

Solche Totimpfstoffe sind ein vergleichsweise altes Prinzip in der Medizin. Wir kennen die Impfstoff-Art beispielsweise von der Grippeimpfung. Laut der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung gilt allerdings für alle Impfstoffe: „Die COVID-19-Impfstoffe enthalten keine vermehrungsfähigen Viren. Insofern können sie mit Totimpfstoffen gleichgesetzt werden.“

Wie viele Novavax-Impfungen braucht es?

Für einen vollständigen Impfschutz werden zwei Impfdosen verabreicht, im Abstand von drei bis vier Wochen. Eine Zweitimpfung mit dem Novavax-Impfstoff nach Erstimpfung mit einem anderen Corona-Impfstoff ist nicht möglich. Im Moment ist noch keine Auffrischung nach einer vollständigen Impfung mit dem „Totimpfstoff“ vorgesehen.

Wie wirksam ist der „Totimpfstoff“ Novavax?

In einer Phase-3-Studie mit 15.000 Probandinnen und Probanden kam man zum Ergebnis, dass der Totimpfstoff Novavax zu rund 90 Prozent vor der Corona-Variante B.1.1.7, auch bekannt als Alpha-Variante, schützt.

Auch gegen Delta scheint Novavax noch gut zu wirken – dann allerdings nur als Dreifach-Impfung, präzisiert Anja Braun aus der SWR-Wissenschaftsredaktion. Aber gegen Omikron muss auch dieser Impfstoff offenbar erst noch richtig angepasst werden. „Novavax scheint da etwas weniger gut vor dem mutierten Virus zu schützen als die bisher zugelassenen mRNA-Impfstoffe“, erklärt Braun. In der Studie wurde vor allem der Schutz gegen den schweren Verlauf in Bezug auf die Alpha-Variante getestet.

Gerade in Entwicklungsländern mit warmen Temperaturen könnte der Totimpfstoff ein Gamechanger werden. Der Impfstoff ist bei Kühlschranktemperatur mehrere Jahre haltbar und kann sogar 24 Stunden bei Raumtemperatur gelagert werden, ohne seine Wirksamkeit zu verlieren.

Sind Menschen nach einer Corona-Impfung ansteckend? (Foto: AdobeStock/Feydzhet Shabanov, AdobeStock/OSORIOartist|Monatge: SWR3)
Novavax – der Totimpfstoff könnte Impfskeptiker überzeugen AdobeStock/Feydzhet Shabanov, AdobeStock/OSORIOartist|Monatge: SWR3

„Totimpfstoff“ Novavax: Welche Nebenwirkungen sind bekannt?

Generell ist die Impfung mit dem Impfstoff von Novavax in der Studie gut vertragen worden“, sagt Braun. Die Nebenwirkungen ähneln denen der bisher bekannten Corona-Impfungen und treten nach der zweiten Impfung häufiger auf:

  • Schwellung und Schmerz an der Einstichstelle
  • Kopfschmerzen und Müdigkeit

Laut Studie hat es keine Fälle von Blutgerinnseln, Thrombosen oder Herzproblemen gegeben. Braun macht allerdings eine Einschränkung: Protein- und Totimpfstoffe brauchen Wirkverstärker und die können ebenfalls Nebenwirkungen auslösen. Bisher sei dazu aber nichts bekannt, so Braun.

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