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Franziska Thees
Franziska Thees (Foto: SWR3)

Sie sind müde, ausgebrannt, verzweifelt und sehen kein Licht mehr am Ende des Tunnels: Menschen, die in medizinischen Bereichen arbeiten. Manche schreiben sich im Netz den Frust von der Seele – gepaart mit Sarkasmus und Durchhaltewillen.

Man kann es sich als Laie wohl kaum vorstellen, wie sehr die Corona-Lage diejenigen belastet, die an vorderster Front stehen. Eine Oberärztin einer Intensivstation in Baden-Württemberg schildert ihren Frust im Interview mit SWR3. Sie möchte anonym bleiben.

Das Furchtbare ist ja nicht, dass wir seit eineinhalb Jahren am Limit laufen – wobei ich nicht glaube, dass man sich daran jemals gewöhnen kann. Das wirklich Furchtbare ist ja, dass jeden Tag Menschen sterben oder mit schweren Folgeschäden ins Leben entlassen werden. Und das Schlimmste daran ist, dass es bei den meisten inzwischen unnötig ist. Und das Allerschlimmste ist, dass jetzt schon klar ist, dass es in den nächsten vier Wochen in einer Dimension passieren wird, die wir jetzt schon nicht mehr beeinflussen können.

In diesem Zitat steckt das drin, was es so besonders schwer macht und Ärzte, Wissenschaftler und Politiker immer wieder wiederholen: Viele Erkrankungen wären durch eine Impfung vermeidbar gewesen. Für die Pflegekräfte ist das schwer auszuhalten. Besonders, weil es auch immer wieder junge Menschen trifft.

Ja, die unter 30 jährigen werden unsere ITS nicht verstopfen. Aber sie können trotzdem schwer krank werden. Der junge Mann ist <30, hat keine Vorerkrankungen und meinte er bräuchte keine Impfungen. Jetzt mit Covid und ECMO…Shit happens, get vaccinated. LG aus dem ITW https://t.co/E6t2Ctxek2

Viele Ärzte betonen immer wieder, dass zu wenige Menschen wohl wirklich wissen, was eine Behandlung mit der ECMO bedeutet:

Für alle die sich nicht vorstellen können was ECMO bedeutet #COVID19 #Querdenker https://t.co/X5G2VAQ4Wy

„Hier rufen weinende Oberärzte an“

In der Corona-Krise leistet im besonders stark betroffenen Bayern eine „Helpline“ Soforthilfe für Mitarbeitende im Gesundheitswesen. Es rufen an: weinende Oberärzte, ausgebrannte Intensivpflegekräfte und überforderte Altenheimbetreiber. „Ihr seid nicht schuld“, ist eine Kernbotschaft. Mehr über diese Hotline lest ihr hier.

„Eure ‚Helden‘ sind nicht unverwundbar“

Viele gehen auf dem Zahnfleisch. Diese Userin scheint mit den Nerven am Ende zu sein:

Ich bin raus. Ich werde für Wochen erstmal raus sein. Ich bin gebrochen. Moralisch, seelisch und körperlich. Ich kann nicht mehr. Ich leide seit einigen Jahren unter Depressionen. Die letzten 2 Jahre haben mich in eine depressive Episode katapultiert, die mich verändern wird.

Erschöpfung kennt wohl gerade jeder im medizinischen Bereich:

Können wir mal bitte festhalten WIE erschöpft ich bin? Ich habe in einem von Covid gebeutelten KH am anderen Ende der BRD ausgeholfen. Dort haben zuletzt 2 Hebammen in 24 h Diensten den Laden am laufen gehalten bis zum Zusammenbruch. Ich bin Freitags angereist und habe

In einem sehr eindrücklichen Thread beschreibt Twitteruser @Lam3th, wie sehr auch das Pflegepersonal unter der aktuellen Situation leidet.

Achtung ein Rant. Zu Beginn der Pandemie haben wir uns in die vorderste Linie gestellt und dabei hatten wir die Hosen voll. Gestandene Intensivmediziner hatten Angst, da wir unseren Gegner nicht kannten. Berichte über massenhaft sterbende Kolleg:innen aus anderen Ländern,

Manchmal reicht einfach ein einziges Wort:

müde. 😔 #corona #VierteWelle #einfachmedizin

„Wir betteln seit Monaten“

Die Patienten leiden und manchmal auch sterben zu sehen, ist für jedes Pflegeteam eine große Belastung. Hinzu kommt die körperliche Anstrengung – auch durch das stundenlange Arbeiten im Schutzanzug. Das Personal ist müde, muss sich immer wieder neu motivieren, berichtet die Stationsleiterin der Intensivstation im Westallgäuklinikum, Elisabeth Pfänder. Wie lange das noch klappt, weiß sie nicht.

Wangen

Bundeswehr soll helfen Am Limit: Arbeiten auf der Intensivstation in Wangen

Auf den Intensivstationen spitzt sich die Lage zu, das medizinische Personal kommt langsam an seine Grenzen. In den Häusern der Oberschwabenklinik (OSK) helfen ab sofort Bundeswehrsoldaten aus.  mehr...

Am Arsch. Wir betteln und flehen seit Wochen. Vor 4 Wochen hättet ihr einen Lockdown beschließen müssen. Noch heute, in dieser Sekunde eiert ihr rum und lasst euch von der FDP am Nasenring durch die Manege führen. Alles was ihr beschließt kommt jetzt eh zu spät. #SchwereSchuld https://t.co/INSUKN4kcz

Same shit different year... https://t.co/3agZHr1kFG

ECMO – was ist die künstliche Lunge?

Patienten mit akutem Lungenversagen werden zunächst künstlich beatmet. Wenn die Lungen den zugeführten Sauerstoff allerdings nicht mehr in ausreichender Menge ins Blut abgeben können, muss das Blut außerhalb des Körpers mit Sauerstoff befüllt werden.

So sieht eine ECMO oder mit anderen Worten Herz-Lungen-Maschine aus.  (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Fabian Strauch)
So sieht eine ECMO oder mit anderen Worten Herz-Lungen-Maschine aus. picture alliance/dpa | Fabian Strauch

Laut der Berliner Charité werden damit bei einem Erwachsenen drei bis fünf Liter Blut aus dem Körper herausgeleitet. Dann findet außerhalb an einer künstlichen Membran der Gasaustausch statt. Anschließend wird das mit Sauerstoff angereicherte Blut wieder in den Körper zurückgeleitet. Das Ganze passiert aber nicht nur einmal am Tag sondern einmal pro Minute.

Jeder Impfskeptiker kann nochmal in sich gehen, ob dieser Cocktail hier verträglicher ist. #justsaying #covid19 #impfung https://t.co/9etRphAs84

Keine Hirnblutung in der nächsten Zeit“.

"Das Universitätsklinikum erweitert seine ITS-Kapazitäten für Covid-Pat." oder wie die wahre Meldung heißen müsste: "Die Uniklinik hat keine neurochirurgische ITS mehr." Also vielleicht einfach keine Hirnblutung haben in nächster Zeit, Danke!

Krankenhausgesellschaft: Laufen in Katastrophen-Medizin hinein

Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Krankenhausgesellschaft, Gerald Gaß, warnt vor harten Triage-Entscheidungen in Krankenhäusern. Mit Blick auf die zahlreichen Covid-Patienten auf den Intensivstationen sagte er im Deutschlandfunk: „Das findet jetzt auch aktuell statt, um sich auf noch schwierigere Lagen vorzubereiten. Wir laufen langsam, aber sicher in eine Art Katastrophen-Medizin hinein.“

Ja! Photoshop! Es geht doch um die Botschaft. Ärzt*innen und Pfleger*innen arbeiten am Rande. Die Intensivstationen laufen über. Die @Team_Luftwaffe fliegt Patient*innen in den Norden. Und dann ruft eine Klinik „S.O.S.“ Und das mitten in 🇪🇺🇩🇪 @LMU_Uniklinikum https://t.co/j5XO7NeAkS

Schon jetzt würden Intensivpatienten früher „als medizinisch vertretbar“ auf Normalstationen verlegt werden, erklärte Gaß. „Man weiß: Wir können nicht mehr allen Patienten die bestmögliche Behandlung ermöglichen, (...) die wir im Regelfall zur Verfügung haben.“ Das sei schon eine Art von Triage.

Boostern ist ohne #Impfzentren nicht machbar. Das wissen wir seit Monaten. Die Hausärzt*innen hier in der Stadt sind über (!) dem Limit. Telefone ausgestöpselt. Termine bis März ausgebucht. Ein #Staatsversagen mit Anlauf und auf Ansage und @BMG_Bund @jensspahn backen Plätzchen.

Ärzte berichten auch immer wieder von Schwangeren, die schwere Verläufe haben.

Aus verdammten Gründen: Schwangere, lasst euch impfen! Und diese medizinischen Analphabeten wie @SHomburg, die #noAfd & Co: Sagt ihr der nächsten hochschwangeren Frau mit Covid im Atemversagen, dass ihr Kind in ihr gestorben ist? Mal die Konsequenzen seines Handelns erleben.

„Wir stehen kurz vor dem Abgrund“

Die zunehmende Wucht der vierten Corona-Welle trifft die Krankenhäuser in Deutschland immer härter. Nadine Knittel arbeitet als Pflegerin auf der Intensivstation im Klinikum Bretten. Die vierte Corona-Welle spüren sie und ihr Team mit voller Wucht. Noch halten sie durch – noch.

Bretten

Pflegepersonal wegen Corona am Limit Brettener Intensivpflegerin: "Wir stehen kurz vor dem Abgrund!"

Nadine Knittel arbeitet als Pflegerin auf der Intensivstation im Klinikum Bretten. Die vierte Corona-Welle spüren sie und ihr Team mit voller Wucht. Noch halten sie durch - noch.  mehr...

Sarkasmus hilft wenigstens etwas

Viele User finden auch noch lustige Worte, bei denen einem aber auch eigentlich das Lachen im Halse stecken bleiben kann.

Wir alle, Teddy... wir alle. #mütend #gütend https://t.co/x6fMAKwBgP

Er ist DAS Gesicht der Pandemie: Und auch noch in der Zukunft gefragt?

"Durchbruch gegen Booster" https://t.co/HQBWlr3XgJ

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Franziska Thees
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