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Die Europäische Arzneimittelbehörde EMA hat grünes Licht für den Einsatz des Corona-Impfstoffs von Biontech/Pfizer bei Kindern im Alter von fünf bis elf Jahren gegeben. Wir klären die wichtigsten Fragen dazu.

Es ist ein sensibles Thema: Sollen junge Kinder gegen das Corona-Virus geimpft werden? Die EMA hat sich nun dafür ausgesprochen, dass Kinder ab fünf Jahren mit dem Impfstoff von Biontech/Pfizer geimpft werden sollen. Wir haben euch das auf Facebook gefragt und innerhalb kürzester Zeit eine riesige Menge an Kommentaren erhalten.

In den USA sind bereits mehr als zwei Millionen Kinder im Alter von fünf bis elf Jahren gegen Corona geimpft worden....Posted by SWR3 on Thursday, November 25, 2021

Klar ist: Die Meinungen dazu gehen auseinander und es gibt viele offene Fragen. Auf fünf der dringendsten hat unsere SWR-Wissenschaftsredaktion Antworten.

Ab wann können Kinder gegen Corona geimpft werden?

Der Impfstoff ist der gleiche wie bei den Erwachsenen, aber in einer geringeren Dosierung. Deswegen wird er auch in anderen Flächen abgefüllt. Und das dauert – bestellt ist er aber schon. Geliefert werden soll er am 20. Dezember. Bis dahin will auch die Ständige Impfkommission (Stiko) entscheiden, ob sie eine Impfempfehlung für Kinder ausspricht oder nicht.

Die Empfehlung der Stiko ist nicht verbindlich, allerdings richten sich viele Ärzte danach. Der Impfstoff kann aber auch ohne Stiko-Empfehlung nach der Zulassung durch die Europäische Kommission verabreicht werden. Diese gilt nach der Empfehlung durch die EMA aber als Formsache.

Wahrscheinlich wird es aber wie bei den älteren Kindern schon erst mal keine allgemeine Empfehlung geben, sondern nur eine für Kinder mit gewissen Risikofaktoren für einen schweren Krankheitsverlauf.

Muss man sein Kind nun gegen Corona impfen lassen?

Hauptsächlich geht es beim Impfen um den individuellen Schutz – also in diesem Fall um den Schutz des Kindes. Hier muss genau abgewogen werden, ob der Nutzen durch die Impfung größer ist als das Risiko. SWR-Wissenschaftsredakteur David Beck ist aber nicht sicher, ob das die Stiko bei den Kindern unter zwölf auch so sehen wird.

Die Kinder haben ein relativ geringes Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf. Das wissen wir. Und sie bilden auch schon bei milden und symptomlosen Infektion eine starke Immunantwort aus.

Der andere Aspekt beim Impfen ist der Fremdschutz, also die Herden-Immunität, die die Masse schützen soll. Beck findet, dass wir den Kindern diese gesellschaftliche Verantwortung nicht aufbürden müssen, vor allem nicht, solange noch so viele Erwachsene ungeimpft sind. „Das wäre den Kindern gegenüber nicht fair“, so Beck.

Was weiß man über die Wirksamkeit und Sicherheit des Impfstoffs bei den unter 12-Jährigen?

Grundsätzlich scheint der Impfstoff wirksam und sicher zu sein. Es gibt aber noch nicht so viele Daten dazu. In der Zulassungsstudie haben nur etwa 1.500 Kinder den Impfstoff bekommen. Zu wenig, um sehr seltene Nebenwirkung zuverlässig aufzudecken, meint Beck. In den USA gibt es schon eine Notfallzulassung für den Impfstoff, und der wurden auch schon viele Kinder geimpft. „Aber von US-amerikanischen Kindern kann man nicht direkt auf Deutsche schließen“, sagt Beck. Die deutschen Kinder seien im Schnitt viel gesünder und haben deswegen insgesamt ein geringeres Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf.

Wie laufen solche Studien bei Kindern ab?

Die Impfstoff-Studien mit Kindern unterscheiden sich von denen, die an Erwachsenen durchgeführt wurden – schon aus ethischen Gründen.

Bei den Erwachsenen wartet man, bis eine gewisse Anzahl an Studienteilnehmern sich mit dem Coronavirus infiziert hat. Dann wertet man aus, wie viele von den Infizierten geimpft waren und wie viele in der Placebo-Gruppe waren.

Weil man Kinder aber nicht dem Risiko aussetzen will, schwer zu erkranken, misst man in den Kinderstudien eine gewisse Zeit nach der Impfung die Antikörper-Konzentration. Diese vergleicht man dann mit den Erwachsenen, bei denen man ja schon weiß, dass der Impfstoff wirkt. Das Studienziel ist die sogenannte „Nicht-Unterlegenheit“. Das heißt, die Antikörper-Konzentration sollte nicht unter der bei den Erwachsenen liegen. Und dieses Ziel hat der Impfstoff von Biontech/Pfizer in der Studie erreicht.

Wurden außerhalb der Studien schon junge Kinder in Europa mit dem Impfstoff von Biontech geimpft?

Ja, in Ausnahmefällen wurde das schon gemacht. Das nennt man dann Off-Label, das heißt, dass ein Impfstoff oder ein Medikament anders verwendet wird als eigentlich gedacht – zum Beispiel, weil es eben für diese bestimmte Gruppe noch keine Zulassung gibt. „Das wird bei vielen Medikamenten sehr regelmäßig gemacht und ist auch ganz legal. Aber Ärzte haben eine erweiterte Aufklärungspflicht, und unter Umständen sind sie auch für die Nebenwirkungen haftbar“, ergänzt Beck. Seiner Meinung nach ist so ein Vorgehen bei den Corona-Impfstoffen aber wirklich nur in Ausnahmefällen angebracht. Er empfiehlt jetzt erstmal zu warten, bis der Impfstoff beziehungsweise die Entscheidung der Stiko da ist.

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