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Die Corona-Zahlen steigen drastisch, Impfdurchbrüche häufen sich. Mittlerweile ist klar: Jeder soll laut Bundesgesundheitsministerium ab einem halben Jahr nach seiner Zweitimpfung den Booster bekommen – auch wenn die Impfmöglichkeiten zurzeit begrenzt sind.

Die SWR Wissenschaftsredakteurin Veronika Simon und Virologe Dr. Martin Stürmer geben die wichtigsten Antworten auf eure Fragen.

Wann sollte die Booster-Impfung gemacht werden und mit welchem Impfstoff?

Empfohlen wird das Boostern mit einem mRNA-Impfstoff sechs Monate nach Erreichen des vollen Impfschutzes. Dieser wird in der Regel nach der zweiten Dosis erreicht. Für alle, die mit Johnson und Johnson geimpft wurden, empfiehlt die Stiko die Auffrischung bereits nach vier Wochen.

Für wen wird die Booster-Impfung empfohlen?

Die Gesundheitsministerkonferenz möchte offenbar alle Geimpften nach einem halben Jahr geboostert sehen. Die Ständige Impkommission ist da etwas vorsichtiger. Aktuell empfiehlt sie die Booster-Impfung noch für folgende Gruppen:

  • ältere Menschen ab 70
  • Bewohner und Betreute in Pflegeeinrichtungen
  • Pflegepersonal oder Personen in direktem Kontakt zu alten Menschen
  • Menschen mit einem geschwächten Immunsystem

Wer kann die Covid-19 Booster-Impfung bekommen?

Möglich ist eine Auffrischungsimpfung theoretisch für alle Menschen, die älter als 12 Jahre sind. Für jüngere Kinder gibt es in der EU auch noch keinen zugelassenen Impfstoff. Die Konferenz der Gesundheitsminister empfiehlt allen über 60, sich ein drittes Mal impfen zu lassen. Die Ständige Impfkommission hingegen empfiehlt den Booster für alle ab 70 Jahren, Bewohner in Pflegeheimen und Menschen, die dort arbeiten. Diese Empfehlung ist nicht bindend, jedoch orientieren sich viele Hausärztinnen und Hausärzte daran.

Gerade bei Jüngeren ist nämlich die Kosten-Nutzen-Rechnung für die Booster-Impfung nicht so einfach: In der Regel erkranken sie nicht schwer, wenn sie sich nach der vollständigen Impfung mit Corona infizieren. Gleichzeitig ist noch nicht viel über die Sicherheit der dritten Dosis bekannt. Aus früheren Studien hingegen weiß man, dass sehr selten schwere Impf-Nebenwirkungen wie Herzmuskelentzündungen auch bei jüngeren Menschen auftreten.

In wenigen Wochen will sie allerdings entscheiden, ob Auffrischungsimpfungen in Deutschland für alle empfohlen werden.

Ulm

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Warum gibt es eine Covid-19 Booster-Impfung?

Die Wirkung der Covid-19-Impfung lässt mit der Zeit nach. Das sieht man zum Beispiel an der aktuell steigenden Zahl an Impfdurchbrüchen – dabei erkranken Menschen am Corona-Virus, obwohl sie vollständig geimpft wurden.

Die allermeisten Menschen sind zwar auch nach einigen Monaten noch gut vor einem schweren Verlauf einer Covid-Erkrankung geschützt, doch je länger die Impfung her ist, desto wahrscheinlicher wird es, dass sie sich trotzdem anstecken und dann auch andere infizieren können. Gerade jüngere merken so einen Impfdurchbruch oft kaum.

Doch gerade bei Älteren oder Menschen mit einem geschwächten Immunsystem kann das anders aussehen. Auch sie sind nach einer vollständigen Impfung besser geschützt als ohne. Doch sie konnten zum Teil nach den ersten Impfungen keine robuste Immunantwort aufbauen. Das heißt: Sie haben keinen langfristigen Schutz vor dem Virus – vor allem, wenn die Anzahl der Antikörper gegen den Erreger im Blut mit der Zeit zurückgehen.

Wenn sie sich Monate nach ihrer Impfung mit dem Corona-Virus anstecken, können sie schwer erkranken. Deshalb soll das Immunsystem mit einer Booster Impfung aufgefrischt werden. Das Immunsystem wird also nochmal dazu gebracht, neue Antikörper zu produzieren.

Dass das funktioniert, sieht man in einer großen Studie aus Israel: Dort konnte man sehen, dass Menschen nach einer dritten Impfung deutlich seltener schwer erkrankten oder gar an Covid verstarben als nach zwei Impfungen, die ein halbes Jahr zurücklagen.

Ist genug Impfstoff da?

Gesundheitsminister Spahn stellte in einem Interview klar, dass genug Impfstoff für eine Booster-Impfung vorhanden sei. Alle, die wollten, könnten eine bekommen, so Spahn. Auch andere eher reiche Länder halten das Auffrischen nun für möglich, global gesehen kann von ausreichend Impfstoff jedoch keine Rede sein.

Wo kann man sich impfen lassen?

Generell soll man eine Booster-Impfung beim Hausarzt machen können. Nach Ansicht des Chefs der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Gassen, müssen bis Ende Dezember 15 Millionen Menschen in Deutschland eine Booster-Impfung verabreicht bekommen. „Das ist machbar“, sagt Gassen in Berlin. Die Arztpraxen in Deutschland seien dazu in der Lage. Allerdings: „Dafür müssen die Rahmenbedingungen stimmen.“ Es sei nicht hilfreich, wenn diese durch die Politik alle paar Wochen geändert würden. Die betreffenden Personen müssten in einem geordneten Verfahren angeschrieben werden.

Auch mobile Impfteams sind in Pflegeheimen bereits unterwegs. Baden-Württemberg beispielsweise möchte auf den Einsatz mobiler Impfteams setzen. Noch in dieser Woche sollen weitere 50 mobile Impfteams in der Fläche eingesetzt werden.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) und der SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach werben derzeit dafür, die Impfzentren wieder zu öffnen. Doch diesen Vorschlag finden nicht alle gut: Der BW-Gesundheitsminister Manfred Lucha (Grüne) beispielsweise hat dem Vorschlag Spahns eine Absage erteilt.

Kann man messen, ob man noch immun ist?

Laboruntersuchungen zu Antikörperspiegeln sind möglich – diese erlauben allerdings keine direkte Schlussfolgerung auf die Schutzwirkung beim Menschen. Es gibt bisher keinen definierten Schwellenwert, der aussagen könnte, ob jemand immun oder vor einem schweren Verlauf geschützt ist.

Es bilden auch nicht alle Geimpften messbare Level an Antikörpern – was aber nicht bedeute, dass man nicht geschützt ist“, sagt Christine Dahlke von der Abteilung Klinische Infektionsimmunologie am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. Das liege an den Gedächtniszellen, die in kürzester Zeit nach einer Infektion die Antikörper wieder auf ein ausreichendes Niveau höben. Jene Zellen können aufwendig etwa für Studien untersucht werden, aber im Alltag gilt das nicht als Option.

Muss die Impfung alle 6 Monate aufgefrischt werden?

Zu dieser Frage gibt uns SWR-Wissenschaftsredakteurin Veronika Simon eine Einschätzung:

Eine sichere Antwort auf diese Frage kann ich nicht geben. Insgesamt gelten Corona-Viren als genetisch stabiler als z.B. Grippe-Viren. Wahrscheinlich muss man also nicht jedes Jahr einen neuen Corona-Impfstoff entwickeln und verimpfen, wie man es bei der Grippeimpfung tut.

Die Erfahrungen, die man mit anderen Impfstoffen gesammelt hat, so Veronika Simon weiter, würden zeigen: Häufig braucht man bei Erregern, die sich nicht allzu stark verändern, nach einer ersten Booster-Impfung keine Auffrischungen im selben, schnellen Rhythmus. Nach der dritten FSME-Impfung zum Beispiel wird die nächste Auffrischung erst nach einigen Jahren notwendig. Ob das beim Corona-Impfstoff auch der  Fall sein wird, kann man noch nicht sicher sagen.

Vor allem jüngere, gesunde Menschen boostern sich in Zukunft aber wahrscheinlich eh regelmäßig ohne es zu merken – weil sie mit dem Virus in Kontakt kommen, aber nicht erkranken.

Virologe Dr. Martin Stürmer hat eure Fragen beantwortet!

Eine Stunde war der Experte in der SWR3-Vormittagsshow bei Nicola Müntefering zu Gast und hat eure Fragen rund ums Thema Booster-Impfung beantwortet.

Alle Antworten von Virologe Dr. Martin Stürmer könnt ihr im Audio nachhören:

Logo SWR3 (Foto: SWR, SWR)

Highlights anhören BOOSTERN: Experte Dr. Martin Stürmer beantwortet eure Fragen!

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